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Frettchen

Tipps zur Haltung

Frettchen kauft man am besten bei einem Züchter, bei dem man darauf achten sollte, dass seine Tiere viel Freilauf haben, sauber gehalten werden und trotz Rudelhaltung den Kontakt zu Menschen gewöhnt sind. Als besonders günstig hat sich die Anschaffung von Wurfgeschwistern erwiesen, obwohl man auch nicht verwandte Tiere unterschiedlichen Alters mit etwas Geduld aneinander gewöhnen kann. Nur unkastrierte Rüden werden sich überhaupt nicht verstehen. Allgemein sind Frettchen, die mit Artgenossen zusammen gehalten werden, glücklicher und zufriedener. Am besten besorgt man mindestens zwei Frettchen aus einer Frettchenhilfe, die es schon massig gibt. Anfängern ist von Welpen abzuraten, da die sehr böse beißen und nicht erzogen sind. Die Tiere, die viel Unterhaltung und Anschluss brauchen, könnten sonst vereinsamen, wenn »ihr Mensch« den ganzen Tag arbeiten gehen muss und sich nur relativ wenig mit ihnen beschäftigen kann. Frettchen kann man problemlos mit Hunden und Katzen vergesellschaften. Mit kleineren Tieren sollten sie aufgrund ihres Jagdtriebes nicht zusammengehalten werden.

In der Wohnung bringt man Frettchen beispielsweise in einer selbstgebauten Voliere unter, die mit Kuschelecken, Klettermöglichkeiten, Hängematte und mit einer Katzentoilette versehen sein sollte. Doch auch ein großer und gut ausgestatteter Käfig mit Beschäftigungsmöglichkeiten in Form von Säuglingsspielzeug (dies ist auf Sicherheit geprüft, d.h. es kann weder leicht zerkaut wer den noch abgeschluckt werden) etc. ist keineswegs ausreichend; die Tiere sollten täglich mindestens drei Stunden die Möglichkeit haben, frei umherzulaufen. Daher ist es sinnvoll, für diese Ausflüge eine weitere Katzentoilette in der Wohnung aufzustellen; diese wird von den Frettchen zu 90% benutzt. Eine hundertprozentige Stubenreinheit ist leider selten. Frettchen sind hauptsächlich dämmerungsaktive Tiere, ihre Aktivitätsspitzen liegen am frühen Morgen bzw. am frühen Abend. Jedoch sind sie stets rasch hellwach und zu Späßen aufgelegt, wenn sich etwas in ihrer Umgebung tut oder man sich mit ihnen beschäftigen möchte. Für das eine oder andere Nickerchen findet das Frettchen trotzdem ausreichend Gelegenheit.

Richtige Fütterung

Die Anforderungen eines Frettchens an die Nahrung sind ähnlich denen einer Katze. Das Futter sollte abwechslungsreich sein; sowohl handelsübliches Trockenfutter als auch selbst zubereitete Nahrung auf der Grundlage von Fleisch, gemischt mit z. B. Kartoffeln werden gerne aufgenommen. Auf jeden Fall sollte darauf geachtet werden, dass der Fleischanteil in der Nahrung etwa 80 % beträgt, wobei Schweinefleisch wegen der Infektionsmöglichkeit mit dem Aujeszky-Virus auf gar keinen Fall roh, Rind und Geflügel aber auch roh verfüttert werden können. Auch Fisch (vor allem Kabeljau, Dorsch etc.) sowie Ei bereichern hin und wieder den Speiseplan eines Frettchens. Eine genaue Futtermenge kann man pauschal nicht angeben. Fähen, die mit einem Körpergewicht von 600 bis 900 g deutlich kleiner und leichter sind als die 900 bis 1800 g schweren Rüden, fressen entsprechend weniger. Allen Tieren sollte das Futter aber ad libitum angeboten werden. Im Normalfall überfrisst sich ein Frettchen jedoch nicht, sondern lässt bei einer zu großen Portion Reste übrig. Dadurch ist es möglich, die individuell benötigte Futtermenge auszutesten. Übrigens ist es völlig normal, wenn das Frettchen im Herbst beginnt, sich ein Fettpolster für den Winter anzufressen. Das bis zu einem Drittel höhere Körpergewicht reduziert sich mit Beginn der helleren Jahreszeit und der Fortpflanzungsperiode meist ohne unterstützende Maßnahmen wieder von selbst. Selbstverständlich muss dem Frettchen stets ein Napf mit frischem Wasser zur Verfügung stehen.

Rat zur Kastration

Wenn man seine Frettchen hauptsächlich in der Wohnung hält, müssen sie auf jeden Fall kastriert werden. Dies hat nicht nur den Grund, dass sie sonst einen sehr unangenehmen Geruchverströmen und mit Einsetzen der Geschlechtsreife meist unsauber werden, sondern bei der Fähe liegt noch eine weitere Indikation vor: Die Dauerranz. Eine geschlechtsreife Fähe gerät im Frühjahr mit zunehmender Tageslänge in die sogenannte Ranz, die in Intervallen bis in den Spätherbst hinein auftritt. Zu erkennen ist dies an der geschwollenen Vulva, Schleimabsonderungen und Verhaltensänderungen, ähnlich wie man sie bei der Katze kennt. Viele Fähen neigen bei ausbleibender Belegung dazu, in eine sogenannte Dauerranz zu verfallen, deren deutlichste Kennzeichen blasse Schleimhäute (insbesondere eine fast schneeweiße Vulva), starke Gewichtsabnahme und schütterwerdendes Fell sind. Ohne tierärztliche Hilfe verläuft die Dauerranz meist tödlich; die sinnvollste Therapie ist hier die möglichst baldige Kastration. Ist das Frettchen aber belegt worden, so kann man nach 42 Tagen Tragzeit mit durchschnittlich sechs bis acht Jungen rechnen; ausnahmsweise können auch Würfe mit nur einem oder bis zu 16 Jungtieren auftreten. Die nahezu nackten Welpen wiegen bei der Geburt zwischen 6 und 10 g. Sie sind ebenso wie Hunde- und Katzenwelpen blind und taub. Die Gehörgänge öffnen sich ab dem 21. und die Augen ab dem 28. Lebenstag. Ebenfalls bereits ab dem 21. Tag fangen die Welpen an, zusätzlich zur Muttermilch feste Nahrung zu sich zu nehmen. Das Milchgebiß der Jungen ist aber erst in der 6.Lebenswoche vollständig ausgebildet.

Frettchen in der Praxis

Im Alter von acht Wochen kann mit der Impfprophylaxe bei den Jungen begonnen werden. Das Impfschema ist dem für Hunde sehr ähnlich; man immunisiert gegen Staupe, Leptospirose, Hepatitis und Parvovirose, wiederholt diese Impfungen in der zwölften Lebenswoche und immunisiert dann noch gleichzeitig gegen Tollwut. Wiederholungsimpfungen sind danach nur einmal jährlich nötig. Zum Handling der Frettchen in der Praxis ist zu bemerken, dass meist keine Zwangsmaßnahmen angewendet werden müssen. Die Tiere lieben es zwar nicht unbedingt, länger getragen oder festgehalten zu werden (dazu sind sie viel zu quirlig und möchten viel lieber toben), aber wenn dies doch einmal nötig sein sollte, hebt man sie im Nacken hoch und stützt gleichzeitig den Hinterleib mit der anderen Hand. Falls man Frettchen auf dem Arm tragen will, umfasst man mit einer Hand vorsichtig! (die Rippen eines Frettchens sind recht dünn) den Brustkorb und unterstützt wiederum mit der anderen den Hinterleib. Für allgemeine Untersuchungen oder Injektionen reicht es normalerweise völlig aus, die Tiere, die von einer Hilfsperson locker auf dem Tisch oder auf dem Arm gehalten werden, gegebenenfalls mit Futter oder Vitaminpaste (z.B. NutriCal) abzulenken. Für alle, die Interesse an einer kurzen und prägnanten Darstellung zu den wichtigsten Bereichen wie Haltung, Fütterung, sowie Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten haben, sei folgendes Buch empfohlen: Unsere Frettchen - liebenswerte Hausgenossen des Berliner Frettchen-Club e. V., ISBN 3-9804751-0-7

Bei schmerzhafteren Untersuchungen oder äußerst ungnädig gestimmten Frettchen erweist sich die Eingabe eines Acepromazin-Präparates (z.B. Sedalin-Paste) als sinnvoll und hilfreich. Sollte einem Frettchen einmal Blut entnommen werden müssen, so ist die Vena cephalica antebrachii oder die Vena saphena zu punktieren. Subkutane Injektionen verabreicht man am besten an der seitlichen Brustwand, intramuskuläre Applikationen werden mit einer kurzen Kanüle in die lange Sitzbeinmuskulatur vorgenommen. Auch dies erdulden die meisten Tiere problemlos, wenn sie gleichzeitig durch Leckerbissen abgelenkt werden.

Die häufigsten Erkrankungen, mit denen ein Frettchen in der Praxis vorgestellt wird, sollen hier nur kurz aufgelistet werden:

Zum einen kommt es - aus ungeklärter Ursache am häufigsten bei kastrierten Rüden - zu einer dilatativen Kardiomyopathie. Die Tiere wirken apathisch, fressen schlecht, zeigen blasse Schleimhäute und oftmals ein Schwanken der Nachhand sowie eine vergrößerte Milz. Die sichere Diagnose wird, wie auch bei Hund und Katze, durch eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung gestellt. Zum anderen werden überdurchschnittlich häufig leberkranke Frettchen vorgestellt, deren Erkrankung meist auf Fütterungsfehler zu rückzuführen ist. Die erkrankten Tiere zeigen stumpfes Fell, schlechten Appetit bei vermehrtem Durst, Diarrhoe und daraus resultierend Gewichtsverluste. Aufgrund der Neugier und der »Gefräßigkeit« der kleinen Raubtiere ist bei Verdauungsstörungen auch immer an einen Fremdkörper zu denken - man kann die erstaunlichsten Dinge in einem Frettchen wiederfinden. Typisch für eine durch einen Fremdkörper verursachte Erkrankung sind Vomitus und extrem verminderter Kotabsatz. Die Diagnose ist meist schon palpatorisch zu stellen und röntgenologisch zu erhärten. Aus parasitologischer Sicht ist zu erwähnen, dass Frettchen erstaunlich selten unter Darmparasiten leiden. Ein Ohrmilbenbefall ist dagegen sehr oft zu diagnostizieren; er geht mit den Symptomen des Kopfschüttelns, der Kopfschiefhaltung und mit heftigem Kratzen einher.

Eine Narkose bei Frettchen ist im allgemeinen unproblematisch. Vor einer Narkose ist unbedingt zu vermitteln, dass das Frettchen nicht nüchtern sein darf. Frettchen dürfen noch bis zur Narkose fressen, denn die meisten Fretts sterben an einer Unterzuckerung während der Narkose. Die Kombination Ketamin / Xylazin wird gut vertragen; wenn das Tier nach der Narkose möglichst schnell wieder wach sein soll, kann auch die Kombination Meditomidin / Atipamezol eingesetzt werden. Insgesamt sind beim Frettchen noch keine absoluten Arzneimittelunverträglichkeiten, zu mindest - was die übliche Medikation betrifft, bekannt geworden. Leider kann man weder absolut postulieren, sich bei den Arzneimitteldosierungen ausschließlich am Hund noch ausschließlich an der Katze zu orientieren; Dosierungen sollten der Literatur oder den Dosierungsanleitungen, soweit diese auf kleine Pelztiere eingehen, entnommen werden. Mit der Zeit orientiert man sich dann an Erfahrungswerten.

Wenn ein Frettchenpatient in die Praxis kommt, sollte man stets im Hinterkopf haben, dass es sich um ein noch nicht sehr lange domestiziertes Tier handelt. Oftmals werden die Tiere, die wie in der freien Natur versuchen, jegliche Krankheitsanzeichen zu unterdrücken, erst vorgestellt, wenn ihre Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Den Besitzern ist dies ein dringlich klarzumachen und sie sind aufzufordern, ihr Tier genauestens zu beobachten und es bereits beim geringsten Verdacht einer Erkrankung in der Praxis vorzustellen.

Abschließend bleibt zu bemerken, dass das Frettchen ein recht unkomplizierter und freundlicher Patient ist, dem man sicherlich in Zukunft öfter in der Praxis begegnen wird.

Siehe auch: DER SPIEGEL 23 / 1999, Seite 232

oder weitere Tipps finden Sie auch bei der Tiermedizin.